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Theologie & Naturwissenschaften

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Woran glauben wir, woran "müssen" wir glauben?

Eine lebhafte Diskussion um umstrittene Glaubensvorstellungen auf einer Tagung der Akademie.

Ein Beispiel:

Einfach war es nie, Jesu Kreuzestod theologisch zu deuten und zu verstehen. 2009 ist von Burkhard Müller, Superintendent im Ruhestand aus Bonn, in einer Reihe von Morgenandachten erneut eine Diskussion angestoßen worden. Müllers These war, dass die Deutung, Jesu Tod sei ein Sühneopfer, heute aus theologischen Gründen nicht mehr gepredigt werden könne. Dagegen erhob sich Widerspruch, der die zentrale Rolle des Sühneopfer-Gedankens in den biblischen Texten und in den Bekenntnissen hervorhob.

Nicht zuletzt diese lebhafte Diskussion um das "Sühneopfer" Jesu hat gezeigt, dass in unserer Zeit traditionelle christliche Glaubensvorstellungen stark hinterfragt werden. Dies gilt aber auch für Vorstellungen von Auferstehung, von Sünde und Vergebung, von der Schöpfung.

Religionssoziologische Untersuchungen belegen, dass sich in den letzten 50 Jahren die Voraussetzungen und das Umfeld von Religiosität gravierend verändert haben. In früheren Zeiten wurden die Glaubensvorstellungen danach bemessen, ob sie theologisch folgerichtig begründet werden konnten. Heute ist das vornehmliche Kriterium für unsere Glaubensvorstellungen, ob sie die eigenen Erfahrungen angemessen zum Ausdruck bringen. Das Kriterium der Authentizität hat also gegenüber dem Kriterium der Wahrheit einen deutlichen Vorrang. Was folgt daraus für die christlichen Glaubensvorstellungen? Welche der traditionellen Bilder werden noch akzeptiert, welche sind in die Kritik geraten? Welche theologischen Kriterien gibt es für einen lebendigen Umgang mit traditionellen Vorstellungen?

Besonders auffällig ist der Wandel religiöser Vorstellungen in all dem, was mit der traditionellen Rede von der Hölle einher geht. Das Bild von der Hölle, das über Jahrtausende den christlichen Glauben mit geprägt hat, ist heute fast vollständig verschwunden. Ähnliches kann man über die Erbsünde sagen oder eben über manche Ausdeutungen des Kreuzestodes.

Die Akademietagung "Woran glauben wir heute? Glaubensvorstellungen zwischen Himmel und Hölle" im Jahr 2011 hat sich dieser Frage gewidmet. Impulse für die Reflexion kamen von Referentinnen und Referenten, die sich auf in unterschiedlichen Weisen mit dem Wandel von Glaubensvorstellungen auseinandergesetzt haben.

Professor Dr. Horst Schwebel, der bis 2006 Praktische Theologie an der Universität Marburg gelehrt hat und dort Direktor des Instituts für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart war, ging auf Glaubenszeugnisse aus den verschiedenen Jahrhunderten ein, wie sie sich in Kunstwerken widerspiegeln.

Die Kultursoziologin Dr. Kornelia Sammet von der Universität Leipzig fragte in ihrem Referat: Religion in ihrer Vielfalt – Was glauben die Menschen heute? Sie hat sich mit diesem Thema bereits in unterschiedlichen Zusammenhängen auseinandergesetzt. Kornelia Sammet war von 2004 bis 2006 wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der IV. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Seit Juni 2008 hat sie die Projektleitung des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts "Fallrekonstruktionen der biographischen Einbettung und der sozialen Bezüge von religiösen und nicht-religiösen Weltsichten in prekären Lebenslagen" am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig.

Zum christlichen Glauben in der modernen Welt referierte der evangelische Religionspädagoge Professor Dr. Joachim Kunstmann von der Pädagogischen Hochschule Weingarten. Joachim Kunstmann hat 2010 im Gütersloher Verlagshaus ein Buch zum Themenkreis der Tagung veröffentlicht: „Rückkehr der Religion. Glaube, Gott und Kirche neu verstehen“. „ Es geht nicht um einen wahren Glauben, sondern darum, Erfahrungen des Heiligen zu ermöglichen, die Lebensthemen der Menschen ins Zentrum zu rücken und Religiosität zu entwickeln“, so seine These.

Die Tagung schloss mit einer Podiumsdiskussion um theologische Grundlagen des Glaubens, an der Pfarrer i. R. Burkhard Müller, Bonn, und die evangelische Theologin Professor Dr. Athina Lexutt, Gießen, teilnehmen. Ihre einleitenden Statements sind am Schluss dieses Artikels zum kostenlosen Abruf bereit gestellt.

Zur Person:

Pfarrer i.R. Burkhard Müller
Jahrgang 1938, verheiratet, 5 erwachsene Kinder. Er war Pfarrer in Oberhausen und Bonn. Durch kirchliche Beauftragungen beschäftigte er sich mit Kirchlichem Entwicklungsdienst, dem Dialog Christen-Muslime und der Migrations-Arbeit. Von 1990-2000 war er Superintendent in Bonn. Er gehörte ab 2001 für sechs Jahre zum Sprecherteam der ARD-Informationssendung "Das Wort zum Sonntag". Außerdem beteiligt er sich an der kirchlichen Rundfunkarbeit im WDR (bis 2009), DLF und DeutschlandRadioKultur.

Bei der Einstudierung der Johannespassion von Johann Sebastian Bach 2008 wurde von Chormitgliedern intensiv die Frage nach dem Sühnopfer Jesu gestellt. Dies und anderes führten im Febraur 2009 zu einer vieldiskutierten Reihe von Morgenandachten, in denen Müller die Vorstellung vom Sühnetod Jesu für die Sünden der Menschen ablehnt. In seinem Buch "Für unsere Sünden gestorben?" (cmz-Verlag, 2. Aufl. 2010) begründet er diese Position ausführlich.

Professor Dr. Athina Lexutt
Geb.1966. 1985-1991 Studium der Evangelischen Theologie, Philosophie, Latein und Germanistik an der Rheinischen-Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 1988-1991 Förderung durch das Ev. Studienwerk Villigst, Abschluss mit Magisterexamen.

1988-1994 Mitarbeiterin (zunächst als SHK, dann als wiss. Mitarbeiterin) am DFG-Forschungsprojekt "Die Edition der Akten und Berichte der Religionsgespräche 1540/41 in Hagenau und Worms". 1994-1995 wiss. Assistentin am Lehrstuhl für Kirchengeschichte in Bonn (Prof. Dr. Karl-Heinz zur Mühlen).
1
994 Promotion in Evangelischer Theologie, Thema der Dissertation: "Das Rechtfertigungsverständnis in den Religionsgesprächen von Hagenau, Worms und Regensburg 1540/41".

1995 - 30.11.2001 als wiss. Assistentin für Kirchengeschichte zugleich Studieninspektorin am Ev.-Theol. Stift der Universität Bonn (Hans-Iwand-Haus).2000 Habilitation im Fach Kirchengeschichte,Thema der Habilitationsschrift: "Lutherisches Bekenntnis und Praxis pietatis. Untersuchung zum theologischen Profil Johann Arndts"
27. Juni 2002 Ernennung zur Universitätsprofessorin für Kirchengeschichte am Institut für Evangelische Theologie
an der Justus-Liebig-Universität Giessen (kooptiert am Fachbereich Evangelische Theologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt).
01.10.2003-30.09.2006 und 2006 - 2008 Studiendekanin am Fachbereich 04 Geschichts- und Kulturwissenschaften der Justus-Liebig-Universität Giessen.

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Athina Lexutt/ Burkhard Müller/ hbl / 01.07.2011



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