Logo Akademie

Studienleitung

Akademiedirektor Dr. Frank Vogelsang
Tel. +49 (0) 228 /47 98 98 - 51
E-Mail an Dr. Frank Vogelsang
Weitere Informationen zur Person

> zum Akademie-Team

Theologie & Naturwissenschaften

Um es gleich zu Beginn zu sagen: Die verbreitete Auffassung, Theologie und Naturwissenschaften seien zueinander gegensätzlich wie Feuer und Wasser, ist ein Mythos.

> weitere Informationen

Termine

Hier finden Sie Termine aus dem Themenschwerpunkt Menschenbilder, Weltbilder, Gottesbilder.

> weitere Informationen

Veröffentlichung zur Weisheitlichen Theologie

Tagungsdokumentation "Wie geht Glauben?"

Die Diskussion um den theologischen Zentralbegriff des Glaubens steht im Mittelpunkt des Buches "Wie geht Glauben?", das eine Tagung aus der Reihe zur weisheitlichen Theologie dokumentiert.

Frank Vogelsang, Johannes von Lüpke (Hg.): Wie geht Glauben? LupeFrank Vogelsang, Johannes von Lüpke (Hg.): Wie geht Glauben?

Glaube - eine der der drei großen Gaben des Heiligen Geistes
" 'Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei' werden in der Bibel (1. Korinther 13,13) eng zusammen gesehen und als die großen Gaben des heiligen Geistes gerühmt. Vom christlichen Glauben zu reden, ist innerhalb der christlichen Tradition sehr üblich. Doch worauf genau bezieht sich der Begriff? Inwieweit unterscheidet er sich von der Liebe und der Hoffnung? 

Wie ist Glaubensgewissheit trotz und in aller Unsicherheit begründet? 
Zweifellos verhält es sich heute mit dem Glauben anders als mit der Liebe. Die Liebe ist in unserer Gesellschaft das anschlussfähigste Wort der christlichen Botschaft. Von der Liebe redet man gern und viel, nicht nur von der erotischen Liebe, auch von der karitativen Liebe, der Nächstenliebe. Die Liebe gehört mitten hinein in unser Leben. Es fällt uns nicht schwer, sie zu verorten, zumindest aber, ihren Mangel zu vernehmen. Doch ganz anders ist es mit dem Glauben. Der Glaube gilt als etwas Privates, etwas, über das man nur ungern spricht. Die Unsicherheit beginnt schon bei der Selbsterkenntnis: Weiß ich, ob ich wirklich glaube? Ganz zu schweigen von den Inhalten: Muss ich alles glauben, was meine Vorfahren bekannt haben? Darf ich mir ein eigenes Bekenntnis schaffen, in das ich aufnehme, was mir wichtig erscheint? Die Verunsicherung ist groß. Nicht zuletzt: Glaube ist kein Wissen. Dennoch schließt der Glaube – zumindest nach der reformatorischen Theologie – Gewissheit in sich. Wie ist diese Glaubensgewissheit trotz und in aller Unsicherheit begründet?

Der Tagungsband gibt Impulse zum Nachdenken über Wegen im Glaube und zum Glauben,
es ist aber keine Handlungsanweisung, denn Glauben ist nicht machbar
 
Die Evangelische Akademie im Rheinland hat in Kooperation mit der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel zu allen drei Geistesgaben Tagungen durchgeführt und in Veröffentlichungen dokumentiert. Dabei sollte es nicht nur um die Klärung des Begriffs gehen (Was ist Glaube?), sondern vor allem auch um ein Nachdenken über Wege im Glauben und zum Glauben. Die Titelfrage „Wie geht Glauben?“ wäre missverstanden, wenn man hier eine Art Anleitung zum Glauben erwarten würde. Glaube ist nicht ohne weiteres machbar. Er ist abhängig von Erfahrungen, die sich nicht erzwingen lassen. Insofern ist er unverfügbar. Und wenn der Glaube sich einstellt, dann versteht er sich als ein Geschenk, Glaubende sprechen davon, dass sie ihn als Gnade Gottes erleben. Darin ist die eigentümliche Gewissheit des Glaubens begründet.

Was kann theologisch verantwortet von dem christlichen Glauben gesagt werden?
Sieben theologische und philosophische Antworten

  • Die Tagung, die in diesem Band dokumentiert ist, hat es sich zum Ziel gesetzt, vorsichtig darüber aufzuklären, was wir theologisch verantwortet von dem christlichen Glauben sagen können. Da macht es sich gut, wenn am Anfang keine Binnen-, sondern eine Außenperspektive steht:Der Philosoph Hans-Julius Schneider beleuchtet die religiöse Erfahrung. Schon hier zeigt sich, dass die Artikulation religiöser Erfahrungen alles andere als einfach zu kategorisieren sind. Die Artikulation religiöser Erfahrung muss nach dem Kriterium der Angemessenheit beurteilt werden, nicht nach dem der Wahrheit.

  • Der Theologe Bernhard Mutschler hat für die Tagung die große Herausforderung übernommen, in einem einzelnen Vortrag die unterschiedlichen Akzente der Glaubensvorstellungen in den biblischen Texten darzustellen. Er kommt zusammenfassend zu der Formulierung, dass der Glaube als die vertrauensvolle Entsprechung zu der Verheißung Gottes in seinem Wort verstanden werden kann. Der Glaube ist immer geschichtlich vermittelter und existentiell gebundener Glaube, er ist biblisch nie abstrakt und allgemein im Sinn eines Katalogs ewiger Wahrheiten. Die reformatorische Sicht des Glaubens folgt diesem biblischen Verständnis.

  • Wie Oswald Bayer von Luther her zeigt, ist christlicher Glaube wesentlich Vertrauen im präzisen Sinn von Gottvertrauen. Solches Vertrauen entsteht aber nicht im Menschen durch seine eigenen Kräfte, sondern ist gebunden an eine äußere Zusage, an die Zusage Gottes.

  • Christiane Burbach nimmt in ihre Überlegungen die Ergebnisse der fünften EKD-weiten Erhebung über die Kirchenmitgliedschaft mit auf. Ein besonderes Augenmerk lenkt sie auf die Situation junger Menschen. Gerade hier sieht sie die besonderen Herausforderungen. Eine religiöse Sozialisation ist nicht mehr selbstverständlich, das Wissen und das Verständnis für Religion brechen ab. Glaube ist nur dann lebendiger Glaube, wenn er auch zwischen Menschen kommuniziert wird. Zugleich warnt Burbach aber auch davor, die kirchliche Diskussion allein auf Fragen des Glaubens zu verengen.

  • Christoph Nötzel betont, dass der Glaube immer auch Ausdruck einer persönlichen Geschichte mit Gott ist. Folgerichtig bezieht er seine Reflexionen über den Glauben immer wieder auf eigene Lebenserfahrungen. Auch hier gilt: Der Glaube ist nicht abstrakt, sondern nur konkret in der eigenen Lebensgeschichte zu erfahren.

  • Schließlich folgen zwei Beiträge der Herausgeber dieses Bandes. Johannes von Lüpke zeigt, dass das Ringen um den Glauben auf vielfältige Weise mit existentiellen Haltungen verbunden sein kann, mit der Erfahrung des Aufgehobenseins, der Sehnsucht, dem Wunsch, Glauben zu wollen. Letzten Endes ist der Glaube aber als Antwort zu verstehen, eine Antwort auf Gottes Anrede.

  • Frank Vogelsang variiert schließlich die Beschreibungen des Glaubens in Assoziationen nach den drei Aggregatzuständen, fest, flüssig, gasförmig. Damit zeigt er, dass wir in sehr unterschiedlicher Weise vom Glauben reden, einmal von einem Bestand der Tradition, dann von dem zeitgenössischen kommunikativen Geschehen, in das wir eingebunden sind, dann von dem unmittelbaren Beteiligtsein im Erleben. So zeigt sich, dass es DEN Glauben nicht gibt, wohl aber je unterschiedliche und je unverzichtbare Aspekte.

 

 

 

Bibliographische Angaben:

Wie geht Glauben?
Diskussion um einen theologischen Zentralbegriff
Hg.: Frank Vogelsang, Johannes von Lüpke
(= Begegnungen 43)
Bonn 2015
ISBN 978-3-937621-51-7
12,00 Euro

bestellen

Bei Bestellungen direkt bei der Akademie zzgl. Porto für Büchersendung

 

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

 

Frank Vogelsang/Johannes von Lüpke/ hbl / 23.12.2015



© 2019, „Mensch-Welt-Gott“ - Evangelische Akademie im Rheinland
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung