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Mensch

Handeln wir rational oder nach unserem Gefühl?

Was weiß die Hirnforschung über unser Verhalten? Fragen an Frank Vogelsang, Veranstalter des Forums Neuroethik in Publik Forum, Ausgabe 1/2014.

Publik-Forum: Herr Vogelsang, worum geht es beim diesjährigen Forum Neuroethik zum Thema "Kooperation oderKonkurrenz"?

Frank Vogelsang: In dieser Veranstaltung geht es darum zu verstehen, wie menschliches Verhalten funktioniert. In der klassischen Verhaltenslehre ist man immer davon ausgegangen, dass sich Menschen rein rational verhalten und mit jeder Handlung ihren Nutzen maximieren wollen. Inzwischen hat man jedoch festgestellt, dass sich Menschen nicht ausschließlich rational, gewinnorientiert und egoistisch verhalten. Sie sind durch ganz verschiedene Motive in ihremHandeln bestimmt – zum Beispiel auch durch Emotionen oder kulturelle Prägungen.

Wieso kann ausgerechnet die Hirnforschung dazu etwas sagen?

Vogelsang: Hirnforscher können etwa untersuchen, ob einer Entscheidung eher rationale oder emotionale Motive zugrunde liegen. Weil sich diese unterschiedlichen Beweggründe im Gehirn an anderen Stellen manifestieren, lässt sich das mit den modernen bildgebenden Verfahren unterscheiden.

Für wen ist Ihre Tagung interessant?

Vogelsang: Zum einen richtet sie sich an Menschen, die sich für die neuen Methoden und Möglichkeiten derNeurowissenschaften interessieren. Zu anderen ist die Tagung für diejenigen interessant, die schon immer Anstoß am Menschenbild der klassischen Ökonomie genommen haben. Das menschliche Verhalten ist viel komplexer,interessanter und spannender, als man lange geglaubt hat!

Und warum ist das ein Thema für die Kirche beziehungsweise für eine evangelische Akademie?

Vogelsang: Die Ethik spielt eine ganz wichtige Rolle in der kirchlichen Lehre, und deshalb haben wir natürlich ein großes Interesse zu verstehen, wie Menschen handeln. Wenn Neurowissenschaftler heute feststellen, dass Menschen gar nicht immer rein rational handeln, kommt das dem kirchlichen Menschenbild viel näher. Die Kirche hat schon immer gesagt, dass der Mensch auch Beweggründe hat, die ihm selbst gar nicht bewusst sind. Bei Paulus heißt es,dass er nicht das tut, was er will, sondern das, was er nicht will!

Sie versprechen auch kontroverse Diskussionen. Worüber?

Vogelsang: Eine Streitfrage ist zum Beispiel, wie man mit diesem neuen Wissen umgehen soll. Das sogenannte Neuromarketing ist eine der umstrittenen Möglichkeiten der neueren Forschung. Dabei versucht man, diese neuen Erkenntnisse für die Werbung nutzbar zu machen und Menschen noch geschickter zu manipulieren. Bisher ist daszwar noch Zukunftsmusik, aber die Gefahr besteht.

Interview: Andrea Teupke

Aus: Publik-Forum, kritisch – christlich – unabhängig, Oberursel, Ausgabe 1/2014. 

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Andrea Teupke/ Publik Forum / 28.01.2014



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