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Buchcover: Frank Vogelsang: „Soziale Verbundenheit. Das Ringen um Gemeinschaft und Solidarität in der Spätmoderne“ Buchcover: Frank Vogelsang: „Soziale Verbundenheit. Das Ringen um Gemeinschaft und Solidarität in der Spätmoderne“

Plädoyer für eine Stärkung von Gemeinschaft und Solidarität

Frank Vogelsang: Soziale Verbundenheit

Wird die aktuelle Solidarität auch über die Corona-Krise hinaus Bestand haben? In seinem neuen Buch „Soziale Verbundenheit“ setzt sich Frank Vogelsang mit dem stetig zu beobachtenden Rückgang von gesellschaftlicher Verbundenheit auseinander und erwägt Lösungsansätze, wie Gemeinschaft und Solidarität längerfristig wieder gestärkt werden können.

Die Gesellschaft der Spätmoderne ist geprägt durch eine grundlegende Ausrichtung auf Menschen als flexible Individuen und auf gegenwärtige abstrakte soziale Systeme wie etwa das Wirtschaftssystem. Dadurch werden zwei Dimensionen von Verbundenheit, die die menschliche Existenz bestimmen, gering geschätzt: die synchrone Verbundenheit in gesellschaftlichen Formationen und die diachrone Verbundenheit in geschichtlichen Verläufen.

Verlust von gesellschaftsprägenden Formen von Verbundenheit in der Spätmoderne
Unter den Vorgaben der spätmodernen Gesellschaft ist es deshalb außerordentlich schwierig, gesellschaftsprägende und stabile Formen von Solidarität und Gemeinschaft zu entwickeln. Diese solidarische Strukturen entstehen nicht, wenn man, wie gegenwärtig vorherrschend, die Gesellschaft auf die Belange von Individuen oder von gesellschaftlichen Systemen reduziert. „Gerade die Formen gesellschaftlicher Verbundenheit in einer mittleren Größenordnung müssen wieder stärker in den Blick kommen, wie Parteien, Gewerkschaften, Vereinen und religiösen Gemeinschaften wie den Kirchen“, fordert Frank Vogelsang.

Heute haben Werte wie Autonomie und Universalität zentrale Bedeutung
In seinem Buch zeichnet er zunächst die Entwicklung zu der gegenwärtigen Gesellschaft nach. Das heute vorherrschende Gesellschaftsverständnis steht am Ende einer langen Entwicklung europäischer Gesellschaften. Diese Entwicklung hat große Errungenschaften mit sich gebracht, die zentrale Bedeutung von Werten wie Autonomie und Universalität, aber sie hat auch die gesellschaftlichen Formen der Verbundenheit, die für langfristige Entwicklungen stehen, geschwächt. Dies gilt besonders für die letzten 50 Jahre, die durch ein hochdynamisches und weltweit verteiltes Wirtschaftssystem (neoliberale Globalisierung) und durch eine damit korrespondierende Betonung der Perspektiven flexibler einzelner Menschen bestimmt sind. Die europäischen Gesellschaften haben in den letzten Jahrzehnten nachgeholt, was Robert Putnam schon 2000 für die US amerikanische Gesellschaft diagnostiziert hat: einen kontinuierlichen Rückgang von längerfristigen Formen der Verbundenheit.

Formen der Verbundenheit: Gemeinschaft und Solidarität
In den letzten 200 Jahren haben sich unterschiedliche Vorstellungen von Solidarität und Gemeinschaft entwickelt: Die konservative Vorstellung von Gemeinschaft setzt andere Akzente wie die progressive Vorstellung von Solidarität oder die bürgerliche Form von Vereinen oder Unternehmen. Eine davon eigenständige Bedeutung kommt religiösen Gemeinschaften zu, der christlichen Vorstellung von Gemeinde.

Wie werden sich Formen der Verbundenheit in Zukunft gestalten?
„Ein Blick zurück wird nicht genügen, um die weitere Entwicklung beschreiben zu können“, da ist sich Frank Vogelsang sicher. Wie werden sich die Formen der Verbundenheit in der Zukunft gestalten?  „Die digitalen Medien werden eine wichtige, aber keine alles bestimmende Bedeutung für diese Formen haben.“ Deshalb lenkt Frank Vogelsang zum Schluss des Buches die Diskussion auf hybride Netzwerke, die ebenso durch digitale Medien vermittelt sind wie durch lokale Verortung.

Bibliographische Hinweise:
Frank Vogelsang
Soziale Verbundenheit: Das Ringen um Gemeinschaft und Solidarität in der Spätmoderne
240 SeitenVerlag Karl Alber
1. Auflage, 2020 
ISBN-13: 9783495491485
32,00  Euro

Rezensionen zum Buch:

Gerhard Wegner in Theologische Literaturzeitung
H.12, 145 Jg., Dezember 2020, Sp. 1248 -1250. Hier zum Artikel

„Frank Vogelsang behandelt in seinem klar aufgebauten und hervorragend geschriebenen Buch eines der ganz entscheidenden Themen heutiger gesellschaftlicher Entwicklung: die Frage nach der weiteren Entwicklung der sozialen Verbundenheit (…) Vogelsang sucht nach intensiv nach Lösungsmöglichkeiten dieser Krise des sozialen Zusammenhalts, ohne dabei jedoch auf regressiv-repressive ‚Angebote‘ hereinzufallen.“

Frank Decker in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Rubrik "Politisches Buch"
19. Januar 2021. Hier zum Artikel

„Den soziologischen Deutungen, die dem Individualisierungsparadigma verhaftet bleiben, setzt Vogelsang ein radikales Verständnis von Verbundenheit entgegen, das von der Leiblichkeit des Menschen ausgeht. (…) Der Autor konzentriert sich eher auf das, was dieser (scil. der Staat) – frei nach Böckenförde – selbst nicht aus eigener Kraft erzeugen kann oder – frei nach Marx – als Gesellschaft vorfindet.“

Eckhard Freyer in buchvorstellungen.blogspot.com
Hier zum Artikel

„Diese gute Neuerscheinung ist ein lesenswertes und weitsichtiges Werk.“

Rundfunksendungen

Am 8. Mai 202 sind einige Thesen des Buches in der Sendung „Philosophisches Radio“ auf WDR 5 vorgestellt worden. Hier ein Link zu der Sendung: „Verstärkt? - Soziale Verbundenheit“

Am 30. August 2020 hat Deutschlandfunk Nova in der Sendung „Hörsaal“ einen einführenden Vortrag zu dem Buch ausgestrahlt unter dem Titel „Es fehlt an Solidarität. Applaus allein genügt nicht“. Hier der Link zum Podcast.

Blog von Frank Vogelsang: frank-vogelsang.de

In seinem Blog frank-vogelsang.de setzt sich Frank Vogelsang mit weiteren, unterschiedlichen Aspekten von Verbundenheit auseinander. Die Beiträge dieses Blogs bewegen sich zwischen zwei Spannungspolen unserer Zeit, zwischen dem Pol von moderner Gesellschaft, von Wissenschaft und Technik auf der einen Seite und dem Pol von Erfahrungen von elementarer Verbundenheit auf der anderen Seite. Im Alltag orientieren wir uns in einem offenen Feld, das irgendwo dazwischen liegt, das Leben zeigt sich als ein Mischverhältnis von Verbundenheit und Distanz.

 

© Inna Levchenko – stock.abobe.com © Inna Levchenko – stock.abobe.com

Themenbereich „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ an der Akademie

Der soziale Wandel ist deutlich spürbar. Scheinbar verhärtete gesellschaftspolitische Fronten und wachsende wirtschaftliche Ungleichheit stellen den Zusammenhalt innerhalb der Gesellschaft auf die Probe. Die Evangelische Akademie im Rheinland hat dem Rechnung getragen und 2019 den neuen Themenbereich „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ begründet, den Studienleiter Till Kiehne verantwortet. Der Politikwissenschaftler geht den Ursachen für die gesellschaftlichen Veränderungen nach und sucht nach Perspektiven, die eine neue Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts möglich machen. Welchen Beitrag kann können dabei die Kirchen, Christinnen und Christen leisten?

Till Kiehne ist überzeugt: „Zusammenhalt braucht auch Geschichten vom gemeinsamen Gelingen, die das Vertrauen in eine vielfältige Gesellschaft stärken.“

 

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hbl, ms / 08.05.2020



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