Logo Akademie

Studienleitung

Akademiedirektor Dr. Frank Vogelsang
Tel.: +49 (0) 228 /47 98 98 - 51
Mobil: +49 (0)151 572 080 03
E-Mail an Dr. Frank Vogelsang
Twitter: @F_Vogelsang
Blog und aktuelle Texte:
frank-vogelsang.de
Weitere Informationen zur Person

> zum Akademie-Team

Twitter

Twitter aktivieren

Hier Twitter-Dienste aktivieren

Theologie & Naturwissenschaften

Um es gleich zu Beginn zu sagen: Die verbreitete Auffassung, Theologie und Naturwissenschaften seien zueinander gegensätzlich wie Feuer und Wasser, ist ein Mythos.

> weitere Informationen

Termine

Hier finden Sie Termine aus dem Themenschwerpunkt Menschenbilder, Weltbilder, Gottesbilder.

> weitere Informationen

epd-Landesdienst West, Logo epd-Landesdienst West, Logo

epd-Landesdienst West, Nr. 170 | 03.09.2020

Karsten Packeiser: Protestanten wünschen sich mehr zivilisierten Streit

Die evangelische Kirche denkt über die Zukunft der Demokratie nach. Auch in der evangelischen Kirche wächst das Unbehagen über den zunehmenden Einfluss demokratiefeindlicher Tendenzen in der Gesellschaft. Ein Papier aus Mainz macht der Politik Vorschläge, was sie dem entgegenhalten könnte.

Mainz/Düsseldorf (epd). Rheinland-Pfalz liegt nur auf den ersten Blick weit entfernt von den Stufen der Berliner Reichstagstreppe. Denn auch an Rhein und Mosel berichten Kommunalpolitiker immer häufiger von Drohungen und einer vergifteten Debattenkultur. Die evangelische Kirche hat sich jetzt mit einem Papier „Zur Zukunft der Demokratie in Rheinland-Pfalz“ zu Wort gemeldet. „Es mehren sich die Anzeichen eines Akzeptanz- und Vertrauensverlustes der freiheitlichen Demokratie“, heißt es dort gleich in der Einleitung. „Die Irritation hierüber ist auch im traditionell stabilen und unaufgeregten Rheinland-Pfalz spürbar.“
 

Der als kleines, 44-seitiges Heft erschienene Text fasst besorgniserregende Tendenzen zusammen, verzichtet weitgehend auf Schuldzuweisungen und enthält stattdessen eine Reihe von Vorschlägen, wie demokratische Strukturen gestärkt werden könnten. Die am Mittwoch in Mainz vorgestellte Publikation ist das Ergebnis der „Mainzer Evangelischen Gespräche“. Thomas Posern, der langjährige Beauftragte der drei evangelischen Landeskirchen in Mainz, hatte gemeinsam mit den regionalen Evangelischen Akademien über mehrere Jahre hinweg eine vertrauliche Diskussionsplattform zum offenen Austausch mit der Landespolitik etabliert. Die Zukunft der Demokratie war dabei ein zentrales Thema.
 

Posern und seine beiden Co-Autoren, die kirchlichen Akademie-Direktoren Christoph Picker (Pfalz) und Frank Vogelsang (Rheinland), sehen eine maßgebliche Ursache für die wachsende Unzufriedenheit und den Erfolg rechter Bewegungen darin, dass Bürger sich nicht mehr von der Politik repräsentiert fühlen. Dazu zitieren die Verfasser einen Leitsatz aus einer aktuellen Kampagne der Diakonie: „Jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden - auch wenn sie Widerspruch herausfordert.“
 

Eine Schlüsselrolle kommt dabei nach Überzeugung der Kirchenleute den Abgeordneten des Landtags zu. Ihr Auftrag sei es, alle Wähler einer Region zu vertreten: „Dieser Auftrag hat Vorrang vor Parteiloyalität, Fraktionsdisziplin und Verpflichtungen gegenüber Klientelgruppen.“ Die Kirchenvertreter wünschen sich mehr direkte Kontakte zwischen Politikern und Normalbürgern - so wie es vorbildlich bereits jährlich zum 9. November mit dem Schulbesuchstag der Landtagsabgeordneten geschehe. „Dieses Modell ließe sich auf andere Termine und auf andere Zielgruppen ausweiten: Kindertagesstätten mit Elternbegegnungen, Mehrgenerationenhäuser,

Pflegeeinrichtungen, Jobcenter, Kultureinrichtungen.“ An die Parteien, speziell an CDU und SPD, richtet das Papier die Empfehlung, politische Alternativen müssten wieder deutlich erkennbar werden: „Dabei geht es nicht um vordergründige Werbemaßnahmen und populistische Inszenierungen, die auch im bürgerlichen Spektrum zu beobachten sind, sondern um einen mutigen Rückgriff auf die sozialen, konservativen, ökologischen, pazifistischen und liberalen Grundüberzeugungen der je eigenen politischen Tradition.“ Insbesondere die Landespolitik sei eine geeignete Ebene für mehr ernsthaften, mit Kompromissfähigkeit verbundenen Streit.

 

Außerdem setzt das kirchliche Papier seine Hoffnungen auf eine stärkere Bürgerbeteiligung insbesondere in den Kommunen. Beteiligungsverfahren müssten so gestaltet sein, dass auch Bürger mit niedrigerem Bildungsstand daran teilnehmen könnten: „Keinesfalls dürfen sie den Anschein erwecken, Beteiligung würde nur simuliert.“ Sinnvoll könnte es sein, wenn eine Servicestelle auf Landesebene oder die Landeszentrale für politische Bildung solche Beteiligungsprozesse didaktisch begleite. Kommunen könnten anstehende Entscheidungen

auf einer „regionalen Informations- und Diskussionsplattform“ zur Diskussion stellen. Dann sinke die Wahrscheinlichkeit, dass sich Diskussionen in digitalen Medien in eine „losgelöste Parallelwelt“ verlagern.
 

Bei all dem dürfe die Politik aber niemals das Ziel aus den Augen verlieren, für soziale Gerechtigkeit zu sorgen. Die wachsende soziale Ungleichheit und das Stadt-Land-Gefälle dürften nicht akzeptiert werden: „Biblische Traditionen vom Exodus bis zu den Evangelien betonen, dass Freiheit auf Dauer nur in annähernd gerecht gestalteten Verhältnissen bestehen kann.“

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

 

epd, ms / 04.09.2020



© 2020, „Mensch-Welt-Gott“ - Evangelische Akademie im Rheinland
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung