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Todesbestimmung durch Hirntodkriterium umstritten

Im Rahmen des Forums Neuroethik wurde über das Kriterium des Hirntodes diskutiert. Das Kriterium bleibt auch im Licht neuere wissenschaftlicher Erkenntnisse ambivalent.

fotolia.com. Urheber: hobbitfoot Lupefotolia.com. Urheber: hobbitfoot

Unter dem Titel „Die Seele und der Tod. Was sagt die Hirnforschung?“ diskutierten Expertinnen und Experten aus Praxis und Forschung interdisziplinär, inwieweit das Hirntod-Kriterium für eine Todesbestimmung genügt. In der Diskussion zeigte sich, dass das mit Einführung des Transplantationsgesetzes 1997 etablierte Kriterium, verstanden als der vollständige und irreversible Ausfall aller Gehirnfunktionen in Groß-, Klein- und Stammhirn, wieder mit zunehmender Skepsis gesehen wird. Eine umfassende naturwissenschaftliche Todesdefinition steht immer noch aus, der Hirntod ist lediglich ein Kriterium, allerdings das für Intensiv- und Transplantationsmedizin derzeit entscheidende, wie die Einführungsvorträge von Oberarzt Dr. Ulf Günther, Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin Bonn, und Professor Dr. W. Haupt von der Universitätsklinik für Neurologie Köln, noch einmal verdeutlichten.
 
Der Mediziner Prof. Dr. Linus Geisler, Gladbeck, unterstrich, dass man dabei bereits davon ausgehe, dass das Gehirn das Zentralorgan des Menschen sei. Aber, so Geisler, bis vor wenigen Jahren als Mitglied der Enquete-Kommission 'Ethik und Recht der modernen Medizin' beim Deutschen Bundestag und Mitglied der Ethik-Kommission der Ärztekammer Nordrhein: „Der Hirntod ist nach heutigem Forschungsstand das irreversible Versagen eines Organs, nicht mehr und nicht weniger.“ Es gebe eine Vielzahl biologischer und an Hirntoten beobachteter Phänomene, die nur bei Lebenden, nicht jedoch bei Toten feststellbar seien. Nach seiner Auffassung ist der Hirntod vielmehr eine medizinische, z.T. auch gesellschaftliche Vereinbarung, um in der Intensivmedizin handlungsfähig zu sein.
 
Auf diesen pragmatisch-ethischen Wert des Hirntod-Kriteriums verwies auch der Philosoph Professor Dr. Dieter Birnbacher, Düsseldorf. Birnbacher ist Mitglied der Zentralen Ethikkommission der Bundesärztekammer und in seinen Forschungen u.a. mit Organtransplantation, Sterbehilfe und Stammzellforschung befasst. Er vertrat die Ansicht, dass man dabei die Spannung aushalten müsse zwischen pragmatischer Definition des Hirntodes und einem philosophischen komplexen Lebensbegriff, der mehr beinhalte. „Die Vorstellung von Leben und Tod muss eine gesellschaftliche Konvention haben“, so Birnbacher. Dabei sei man mit dem Todeskriterium „Hirntod“ derzeit auf der sicheren Seite: Zu einen nehme man durch die Anwendung des Kriteriums „Hirntod“ dem Menschen keine Sekunde seines bewussten Lebens. Zum anderen habe sich das Todeskriterium „Hirntod“ als bisher unverwundbar gezeigt gegenüber den neuen Forschungsergebnissen der Neurowissenschaft.       

Dass die Angehörigen den als tot deklarierten Patienten weiterhin als Person mit vitalen Funktionen erleben und daher zunächst nur schwer Abschied nehmen könnten, verdeutlichte die Kölner Krankenhausseelsorgerin Elisabeth Lehmann. Im Vergleich zum christlichen Kontext gebe es in der jüdischen und buddhistischen Tradition weitaus größere Vorbehalte gegenüber dem Todeskriterium „Hirntod“, so die vergleichende Religionswissenschaftlerin Professor Dr. Birgit Heller, Wien. Die Haltung zum Hirntod ist damit abhängig vom vertretenen Menschenbild und der damit verbundenen Deutung von Leben und Tod.

„Wenn das Hirntod-Kriterium zur Bestimmung des Todes nur einen bedingten Beitrag leisten kann, sollte eine zukünftige Diskussion nicht-medizinische Aspekte, wie die Situation der Angehörigen oder das Todesverständnis aus Sicht der Religionen nicht außer acht lassen“, zog Dr. Frank Vogelsang ein erstes Resümee der Veranstaltung. Einig waren sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forums darin, dass im Hinblick auf das Todeskriterium „Hirntod“ und seine Anwendung im Klinikalltag noch großer Informationsbedarf bestehe. Dadurch könne eine größere Transparenz geschaffen werden.

Das Forum Neuroethik findet jährlich statt und greift ethisch relevante Themen rund um die modernen Neurowissenschaften auf. Hirnforscher, Philosophen und Theologen gibt das Forum Gelegenheit zum offenen interdisziplinären Austausch mit der Öffentlichkeit und mit Medienvertretern. 

Service:

Zum Download eingestellt:

  • Einführung in das Thema "Hirntod"
    Akademiedirektor Dr. Frank Vogelsang
  • Ist die Hirntod-Definition philosophisch zu rechtfertigen?
    Prof. Dr. Dieter Birnbacher, Philosophisches Institut, Universität Düsseldorf

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hbl / 21.01.2008



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